||» Rezension «|| „All die verdammt perfekten Tage“ von Jennifer Niven
Titel: All die verdammt perfekten Tage
Verlag: Limes – Verlag
Empfohlen ab 14 Jahren
Unverbindliche Preisempfehlung: 14.99€
Ein Mädchen lernt zu leben – von einem Jungen, der sterben will
Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs
Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich
bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar
über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine
Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und
großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es
auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener,
witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn
halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment
zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu
entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden…
Der Einstieg fiel mir nicht weiter schwer. Es wird dem Leser unheimlich leicht gemacht, in die einzelnen Szenen abzutauchen und ich hatte prompt ein klares Bild vor Augen, sowohl von Figuren wie auch von Kulissen. Alles beginnt quasi mit der Szene auf dem Glockenturm, den wir schon aud den Klappentext kennen. So ist von vorn herein eine gewisse Grundspannung da und vor allen Dingen: jede Menge Emotionen. Ich empfand den Einstieg also als sehr angenehm und leicht gehalten.
Die Figuren hingegen waren alles andere als ‚leicht‘. Theodore Finch, die tragende Gestalt der Geschichte war anfangs noch ganz interessant und erfrischend neu, doch bald schon entwickelte er sich zu genau dem Freak, den alle in ihm sehen (einschließlich mir). Seine Art ging mir immer mehr und mehr auf den Sack und obwohl die Autorin ständig versuchte, ihn nicht „ich-bezogen“ wirken zu lassen, tat er genau das. Diese gespielt harte Schale konnte ich nicht ausstehen und ich wurde in keinsterweise, wirklich gar nicht, mit ihm warm. Er war nicht speziell oder außergewöhnlich, er war schlichtweg bescheuert. Immer wieder brachte er Aussagen und Antworten, die ich nicht nachvollziehen konnte & obwohl er ganz klar, und das steht von vorn herein fest, eine psychische Störung hatte, konnte ich weder Mitleid noch Verständnis für seine Taten und Gedankengänge aufbringen.
Violet, die weibliche Figur, mochte ich dagegen deutlich mehr. Ihre Art war mir direkt sympathisch und ich schloss sie ziemlich schnell ins Herz. Da ihre Vergangenheit alles andere als leicht war, konnte ich ihre teilweise sehr zurückgezogene Haltung gut nachvollziehen und verstehen. Violet’s Entwicklung während des Lesens/Hörens war beeindruckend und ich durchlebte diese ganze Stadien so gerne mit ihr gemeinsam.
Alle Nebenfiguren fand ich recht authentisch gehalten, gerade Violet’s Eltern haben mir sehr gut gefallen & haben der Geschichte unheimlich gut getan.
Der Stil war ganz angenehm, hielt mich aber dank diesen poetischen Einflüssen immer wieder massiv auf, sodass ich weder beim Hörbuch noch beim eBook gut voran kam. Beschreibungen und Details waren bildhaft und authentisch dargestellt und ich hatte, wie oben schon erwähnt, stets ein klare Bild vor meinem inneren Auge. Leider verbreitete die Story unheimlich düstere Atmosphäre, die mich oftmals total runter zog und darüber hinaus, meine Laune ordentlich verhagelte. Alles war so negativ, so pesimistisch und melancholisch, kaum Lichtblicke in diesem engen, kilometerlangen Tunnel.
Geschrieben wurde das Ganze aus der Ich-Perspektive, wechseln zwischen Finch und Violet. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass „ich“ lieber Violet war, als Finch.
Die beiden Sprecher des Hörbuchs waren mir auch sympathisch und ich mochte ihre Stimmen ganz gerne. Die weibliche Sprecherin, Annina Braunmiller-Jest, war mir dabei noch ein wenig lieber, obwohl ich auch seinen Part gern gehört habe. Jedoch fehlen mir da noch so die Vergleichsmöglichkeiten, um ein wirklich brauchbares Fazit zu liefern. Ich hoffe, ihr verzeiht mir das, da steh ich noch in Kinderschuhen und muss erst noch ein wenig Eindrücke sammeln.
Die Idee an sich hätte richtig gut sein können – im Grunde war sie das auch. Ich fand es sehr erfrischend, mal ein tiefgründigeres Buch zu lesen, das einen zum Nachdenken bringt und von einem schweren Thema handelt. Auch die anderen Ideen, die mit in dieses Buch eingeflossen sind, zeugen von Kreativität, Einfallsreichtum und Erfahrung bzw. Recherche. Obwohl es nicht viele, überraschende Wendungen gab, waren sie doch vertreten und haben ihre Aufgabe definitiv erfüllt!
An der Umsetzung scheiterte es dann auch nicht mehr wirklich. Es war zwar nicht die erwartete Spannung da, aber emotional habe ich eine wahre Achterbahn erlebt. Ich habe viele neue Eindrücke sammeln können, hab einige interessante Sichten kennen gelernt und ein gut harmonierendes Paar vorgefunden. Was mich halt auch an der Umsetzung störte, war eben die Tatsache, dass ich Finch nicht ausstehen konnte. So blieb es mir leider verwehrt, bei dem Ganzen richtig mitzufiebern und mich richtig fallen zu lassen. Das Ende fand ich dann nochmal etwas blöd gewählt, obwohl da dann auch endlich ein wenig Spannung aufkam und Tempo in die Geschichte kam.
Ich vergebe gut gemeinte 3 von 5 Sternen & spreche eine bedingte Lese-Empfehlung aus. Natürlich sollte klar sein, dass das Buch keine seichte Kost ist, aber wie schwer einem die Thematik letztlich aufs Gemüt drückt, sollte man schon bedenken. Ich denke, das Buch ist okay ab 14-15, vielleicht sogar 16 Jahren, früher sollte man es definitiv nicht zur Hand nehmen.
Jennifer Niven
Jennifer Niven wuchs in Indiana auf, dort, wo auch All die verdammt perfekten Tage spielt.
Mit der herzzerreißenden Liebesgeschichte von Violet und Finch hat sie
Verlage in aller Welt begeistert – die Rechte wurden in über 32 Länder
verkauft. Der Roman stürmte kurz nach Erscheinen nicht nur die New-York-Times–
sondern auch die SPIEGEL-Bestsellerliste, und eine Hollywoodverfilmung
ist ebenfalls in Planung. Heute lebt die Autorin mit ihrem Verlobten und
ihren »literarischen« Katzen in Los Angeles.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal erwähnen, dass alle Rechte (Coverbild, Klappentext, etc.) beim Limes-Verlag liegen und mich außerdem herzlich dafür bedanken möchte, die Bilder und Texte verwenden zu dürfen. Ebenfalls „Danke“ möchte ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars, sagen. ♥ Ich hab mich sehr über diese Zusammenarbeit
Rezension entspricht meiner persönlichen Meinung und kann bei anderen
Bloggern oder Lesern wieder ganz anders ausfallen. Ich möchte darum
bitten, dies zu berücksichten.