Titel: Die Traumknüpfer

Autor: Carolin Wahl
Verlag: Heyne Verlag
Reihe/Serie: Einzelband
Genre: High Fantasy
Seitenanzahl: 720
ISBN: 978-3453316478
Erscheinungsdatum: 08.Februar.2016
Format: broschiert
Empfohlen: für Erwachsene
Unverbindliche Preisempfehlung: 13,99€
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Besonderheiten: ———-
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In einer Welt, in der Frühling, Sommer, Herbst und Winter über die
Träume mit den Menschen verbunden sind, liegt das Schicksal der vier
Jahreszeitenvölker in den Händen der Traumknüpferin Udinaa. Doch als
Udinaa – halb Mensch, halb Göttin – erwacht, zerbricht ihr Traum in
Abermillionen magische Splitter. Jeder einzelne dieser Splitter
verleiht, einmal gefunden, dem Träger die Macht der Götter. Als die
Traumsplitter in die Hände eines Verräters fallen, scheint ein
gewaltiger Krieg unausweichlich. Einzig Kanaael, der Prinz der
Sommerlande, und Naviia, eine junge Clansfrau aus dem Wintervolk,
vermögen den Lauf des Schicksals noch zu wenden …

Tja. Ich gestehe, ich hab einige Versuche gebraucht um mich endlich an den dicken Schinken zu wagen und er lag doch ganz 3 Monate auf meinem SuB, ehe ich danach gegriffen habe. Ob ich es bereue, solange gewartet zu haben, oder ob er hätte noch einige Zeit mehr dort verbringen dürfen, erfahrt ihr genau jetzt in aller Ausführlichkeit:

Meine größte Befürchtung war, dass ich ewig brauchen werde, um in die Geschichte überhaupt hinein zu kommen. High Fantasy Stories sind bei mir oftmals mit einem recht beschwerlichen Einstieg verbunden. Hier kann ich das nicht behaupten. Natürlich hab ich meine Zeit gebraucht, um mich in dieser Welt zurecht zu finden, aber nach nur wenigen Seiten fühlte ich mich direkt richtig gut informiert, hatte ein klares Bild der Kulisse bzw der Welt vor Augen und war mittendrin im Geschehen. Exakt so, wie ich es von anderen Büchern kenne und gewohnt bin und deshalb gibt es allein hierfür einen klaren Pluspunkt. Außerdem hat die Landkarte, die sowohl vorn als auch hinten im Buch zu finden ist, einem den Einstieg und das Zurechtfinden zusätzlich ungemein erleichert.

Die Figuren hingegen haben es mir etwas schwerer gemacht. Ich habe doch einige Zeit gebraucht, um eine Verbindung zu den beiden aufzubauen und erst gen Mitte konnte ich dann entgültig mit Naviia wie auch mit Kanaael mitfiebern. Als der Punkt dann aber erreicht war, schloss ich sowohl die weibliche, wie auch den männlichen Protagonisten ins Herz und konnte bedingungslos mit ihnen mitleiden und mitfiebern. Naviia war mir dabei aber immer ein wenig sympathischer. Für mich war sie die bodenständigere der beiden, obwohl auch Kanaael keineswegs abgehoben oder dergleichen war. Er war nun einmal ein Prinz und wurde permanent darauf vorbereitet, ein ganzes Land zu beherrschen – Naviia hingegen hatte nichts königliches, war ein einfaches Dorfmädchen, das aus der Heimat flieht um das Schicksal der 4 Länder zu retten. Aus diesem Grund fühlte ich mich der weiblichen Hauptfigur deutlich näher, wenngleich auch Kanaael einige Sympathie-Punkte sammeln konnte. Denn auch er hatte kein einfaches Leben sondern musste gen allerlei verschiedene Faktoren ankämpfen, aber eben auf einer anderen Ebene wie Naviia es musste. Kurz gesagt: beide Charaktere besaßen ein gutes Maß an Tiefe, Details und waren mit jeder Menge Liebenswürdigkeit ausgestattet, nur sprang der Funke bei Naviia einfach stärker über, als beim Prinzen.
Die Nebenfiguren blieben alle recht fern; bzw. zu ihnen konnte ich auch gen Ende hin noch immer keine richtige Verbindung aufbauen. Dennoch gab es den ein oder anderen, der wirklich aus der Masse an Figuren, die dieses Buch beherbergt, herausstehen – allen voran Ashkiin, den ich unglaublich attraktiv und interessant fand. Ich hoffe ja inständig, dass es einen Nachfolge-Band gibt, in dem es mehr um Ashkiin gehen wird. 
Ein kleiner Kritikpunkt am Rande: Ich hatte stets etwas Probleme, mir die ganzen Namen zu merken – obwohl mir das Glossar hinten ein wenig geholfen hat; aber eben nicht komplett. 

Der Stil hingegen überzeugte mich zu 100 Prozent. Die Sprache passte perfekt in diese Story, der Lesefluss war total angenehm und wie bereits Bernard Hennen sagte: Carolin Wahl erschafft mit ihren Worten völlig neue Welten. Da kann ich ihm nur voll und ganz zustimmen, immerhin hatte ich während den gesamten 700 Seiten stets ein klares Bild der Kulisse und der einzelnen Szenen vor Augen. Auch die Perspektive entsprach meinem Geschmack, denn geschrieben wurde alles aus der Sicht eines allwissenden Erzählers, die Kapitel wechselten da stets zwischen einigen Figuren, unter anderem natürlich auch Naviia und Kanaael. Doch auch noch andere Personen werden in den Vordergrund gezogen, was mir sehr gefiel und für Abwechslung sorgte und auch den Nebenfiguren eine gewisse Wichtigkeit verlieh.

Die Idee. Uff. Hier tu ich mir eindeutig schwer meine Meinung tatsächlich in Worte zu fassen. Ich fand die Idee großartig! (◄ und das ist restlos untertrieben..). Ich habe diese High Fantasy Welt unfassbar geliebt und konnte mir, wie oben schon erwähnt, immer alles perfekt und bis ins kleinste Detail vorstellen. Auch der Hauptplot sowie die ganzen, kleineren Nebenplot waren überraschend spannend und interessant mir dem Drumherum verwoben. Ich persönlich habe noch nie zuvor etwas derartiges gelesen, womit ich sagen will, dass es etwas völlig neues, erfrischendes an sich hatte und somit mit total neuen, überraschenden Ideen glänzen konnte.
 
Und als letzten, fast wichtigsten Punkt: die Umsetzung der Idee. Ich war während den ersten paar Seiten noch damit beschäftigt, mich zurecht zu finden, doch kaum war das geschehen, fühlte ich mich schon direkt in die 4 Länder hinein versetzt. Es war anschließend tatsächlich über minimum 650 Seiten unglaublich spannend und teilweise auch erschreckend „brutal“ und „ehrlich“. Sprich: Tod und Verderben war hier in manchen Szenen tatsächlich sehr eingehend beschrieben, womit ich so gar nicht gerechnet hätte. Während den ruhigeren Phasen erfuhr ich wahnsinnig viel über die beiden Hauptfiguren, lernte deren Vergangenheit und Familiengeschichte kennen und brachte mir beide näher. Die rasanten Phasen, die hier eindeutig überwogen, waren aber voller Action, Tempo und sehr mitreißend. Ich habe mich mehr als 1x dabei ertappt, wie ich den Atem angehalten habe und erst dann wieder tief Luft holte, als die entsprechende Szene vorbei war. Und um auch noch einmal auf das Ende zu sprechen zu kommen: ich wäre fast erstickt! Eine derartige Action bin ich aus Büchern gar nicht gewohnt und ich hatte über die letzten 50 Seiten vielmehr das Gefühl, einen Film zu schauen, als „nur“ zu lesen. Eine unglaublich authentische Szene, die mich wirklich gefangen nahm und mit sich riss, sodass ich nichts um mich herum mehr richtig wahr nahm.

 

Eine unglaubliche High Fantasy Geschichte, die leicht zu verstehen ist, mit tollen Figuren ausgestattet und unglaublich authentisch und realistisch zu Papier gebracht wurde. Ein ausgewogener Wechsel der Ruhe-Phasen, gespickt mit interessanten Informationen, und der actionreichen Passagen, in denen auch mal kein Blatt vor den Mund genommen wird. Wer sich gern in fremde, fantasievolle Welten entführen lässt, mit gut durchdachten Magie-Aspekten, der wird „Die Traumknüpfer“ von Carolin Wahl lieben. Einzige Kritikpunkte: anfängliche Distanziertheit zu den beiden Hauptdarsteller und die etwas schwer zu merkenden Namen.

 

Ich vergebe für diese eingehende Geschichte 4.5 von 5 Sternen und spreche eine riesige Lese-Empfehlung aus, für all die, die das Genre gern mögen oder es vielleicht auch erst kennenlernen möchten. „Die Traumknüpfer“ eignet sich wunderbar für den Einstieg in diese Sparte und überzeugt durch Realismus, Authensität und einer atemberaubenden Kulisse, sowie liebenswürdigen Figuren und hat dabei kaum Schwachstellen.

Carolin Wahl

Carolin Wahl wurde 1992 in Stuttgart geboren und studiert inzwischen
Geschichte und Germanistik. Egal ob als Autorin oder als Leserin,
Literatur ist ihre große Leidenschaft, und für ihre Texte wurde sie
bereits mehrfach ausgezeichnet. Die Traumknüpfer ist ihr erster Fantasy-Roman. Die Autorin lebt in Edinburgh und München.


An dieser Stelle möchte ich noch einmal erwähnen, dass alle Rechte (Coverbild, Klappentext, etc.) beim Heyne-Verlag liegen und mich außerdem herzlich dafür bedanken möchte, die Bilder und Texte verwenden zu dürfen. Ebenfalls „Danke“ sagen möchte ich für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares. Es war mir eine große Freude, die Geschichte lesen zu dürfen.
Diese
Rezension entspricht meiner persönlichen Meinung und kann bei anderen
Bloggern oder Lesern wieder ganz anders ausfallen. Ich möchte darum
bitten, dies zu berücksichten.

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