Titel: Dschihad Calling

Autor: Christian Linker
Verlag: dtv – Verlag
Reihe/Serie: Einzelband
Genre: Jugendbuch / Roman
Seitenanzahl: 320
ISBN: 978-3423740159
Erscheinungsdatum: 18.Dezember.2015
Format: Softcover / broschiert
Empfohlen: ab 14 Jahren
Unverbindliche Preisempfehlung: 14.95€
Kauf-Möglichkeiten u.A.:
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Besonderheiten: keine bekannt
Leseprobe: *hier* entlang (pdf – Datei)
 
 

Der 18-jährige Jakob greift ein, als ein Mädchen mit Gesichtsschleier
von rechten Hooligans belästigt wird – und verliebt sich in die blauen
Augen der Unbekannten. Auf einem Pressebild erkennt er sie später
wieder: Samira ist Mitglied eines Salafisten-Vereins. Trotzdem versucht
Jakob Kontakt aufzunehmen und gerät so an Samiras Bruder Adil, der mit
den Gotteskriegern des Islamischen Staates sympathisiert. Obwohl für
Jakob zunächst undenkbar, fühlt er sich doch angezogen vom Gedankengut
und der Lebensgemeinschaft der Salafisten. Dagegen stoßen ihn die Kälte
und Konsumorientiertheit seiner eigenen Umgebung immer mehr ab. Jakob
radikalisiert sich, bricht alle alten Kontakte ab und konvertiert. Aber
will er wirklich mit Adil nach Syrien ziehen?

Bevor ich nun zur Rezension komme, möchte ich kurz anmerken, dass ich mich vor diesem Buch nie mit dem Dschihad, Muslimen oder dem Koran auseinander gesetzt habe. In erster Linie war ich neugierig auf die Ansichten und den Tatsachen des Buches. Ich war sofort interessiert, denn die negativen Schlagzeilen bezüglich Islamisten und Muslimen allgemein, nehmen ja inzwischen Überhand in den Medien. Umso gespannter war ich darauf, wie es tatsächlich in so einer Gemeinde abläuft und wie sich der Alltag von islamischen Menschen gestaltet; auch von den radikalisierten Anhängern Allah’s.

Der Einstieg war zugegebenermaßen nicht ganz einfach. Gerade für jemanden, der sich gar nicht mit dem Glauben oder Ähnlichem beschäftigt, ist das Anfang ein wenig holprig, jedoch konnte ich relativ schnell Fuß fassen und mich eher auf die Geschichte einlassen bzw. mich an die Umstände und die Thematik gewöhnen.

Jedoch hatte ich von Anfang an Probleme, mich mit unserem Hauptfigur zu identifizieren. Jakob war zwar anfangs noch sehr bodenständig und ein ganz normaler Junge, entwickelte sich aber zunehmend in die falsche Richtung und ich konnte seine Entscheidungen und Gedankengänge einfach immer weniger nachvollziehen. Mag sein, dass ich mir von vorn herein irgendwie zu viel vorgenommen habe, mit dem Buch, doch alles in allem fand ich Jakob einfach nicht sympathisch (womit ich vielleicht hätte rechnen können…) genug, um ihn wirklich lieb gewinnen zu können. Demnach war mir auch permanent klar, dass ich eine Geschichte bzw. ein Buch lese, und nicht in einer anderen Welt landen konnte.
Auch die Nebenfiguren waren mir teils sehr suspekt. Abu Tarek hätte ich definitiv alles zugetraut und Samira’s Bruder, dessen Name ich permanent vergesse – Adil – konnte keinen einzigen Pluspunkt bei mir sammeln. Samira hingegen wirkte irgendwie bodenständig und sehr real. Auch ihr Glaube ist und bleibt mir fremd, jedoch empfand ich sie als die bedeuteste und am besten gestaltenste Figur in der ganzen Geschichte. 


Am Stil habe ich ebenfalls ein bisschen was auszusetzen. So missfiel es mir beispielsweise, dass einerseits so auf den Glauben beharrt wird, man dann aber wirkliche Kraftausdrücke vorfand; und das meist innerhalb eines einzigen Abschnitts. Wenn Sex doch haram ist, dann hätten sich die Figuren ja auch irgendwie gewählter ausdrücken können & auf solche vulgären Worte verzichten können. Das vermittelte mir irgendwie das Gefühl, als würde der Autor darauf hinzielen, dass die Figuren ‚ganz normale Jugendliche‘ waren, und keine radikalisierten Islamisten. Außerdem fiel mir doch sehr schnell auf, dass die arabischen (? Hier muss ich ganz klar sagen, dass mir die Ahnung fehlt) Sätze immer mehr überhand nahmen. Irgendwann begann ich dann, diese Zitate und einzelnen, für mich fremden, Worte zu überlesen und zu ignorieren und spätestens ab diesem Moment konnte ich dann Gott sei dank sehr flüssig und schnell voran kommen. Um diesen Absatz hier positiv zu beenden: die Umschreibungen der Schauplätze und der Figuren selbst, waren hervorragend! Ich konnte mir alles sehr klar vor Augen führen, selbst wenn ich manches noch nie live gesehen habe. Überdies fand ich auch die Aufmachung große Klasse!! Im stetigen Wechsel zwischen normaler Geschichte aus Jakob’s Sicht und Tagebuch-Einträgen von Adil in Syrien im Kampf für den IS, entstand eine gewisse, unterschwellige Spannung, die mich überzeugen konnte.

Die Idee gefiel mir dann ebenfalls sehr gut. Sie vermittelte mir einen ausschweifenden Eindruck vom Alltag eines Islamisten und war zudem so gut ausgearbeitet, dass selbst der SPIEGEL-Korrespondent Hasnain Kazim aus Istanbul sagte „Dschihad Calling“ macht Radikalisierung anschaulich und begreifbar“. Da muss ich dem Mann absolut recht geben, denn die Idee war große Klasse und zeugte von guter Recherche! Auch die Idee mit den zwei Erzähl-Strängen war ein wirkliches Highlight.

An der Umsetzung mangelte es nur teilweise. Den Start fand ich noch recht langatmig und fad, jedoch entpuppten sich die Informationen, die man als Leser zunächst häppchenweise serviert bekam, als äußerst nützlich. Denn die Spannung blieb nicht besonders lange fern. Ab ca. der Hälfte war ich dann schließlich gefangen und wollte unbedingt wissen, wie es mit Jakob, Adil und Samira weiterging. Ich habe dem Lesen immer mehr entgegen gefiebert und war doch erstaunt, wie sehr mich das Thema packen konnte. Als es dann dem Ende entgegen ging, war ich zugegebenermaßen ein wenig langsamer; nicht aber, weil es mir nicht mehr gefiel, sondern weil ich das Buch noch ein wenig hinaus zögern wollte. Alles in allem eine rund um gelungene Umsetzung, auch wenn man die erste Hälfte vielleicht etwas interessanter hätte gestalten können.
 

Dieses Buch war anders, als alles, was ich bisher gelesen hatte. Der Einstieg war schwierig, die Thematik hoch brisant. Auch wenn ich anfangs große Probleme hatte, sowohl mit Stil als auch mit Thematik, gefiel mir das Buch alles in allem wahnsinnig gut. Dank Christian Linker habe ich nun ein klares Bild der Muslime und dem Unterschied zu dem IS erhalten. Obwohl ich auch unsere Hauptfigur Jakob nicht besonders gern hatte, kann ich sagen, dass ich ab ca. der Hälfte des Buches absolut gefesselt war. Mein Horizont wurde wieder einmal durch eine Jugend-Lektüre erweitert.
 

Ich vergebe lieb gemeinte 3.5 von 5 möglichen Sternen. Wer sich ein Buch mit aktueller und brisanter Thematik wünscht, wird Dschihad Calling sicherlich mögen. Auch für Leser, die gern einmal einen Einblick in den Alltag einer solch islamischen Gemeinde erhalten möchte, ist dieses Buch ein wahres Muss.

Christian Linker
 Christian Linker, geboren 1975, studierte Theologie und machte
Jugendpolitik, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Seine bei dtv
junior erschienene Romane wurden vielfach ausgezeichnet, u.a war
›RaumZeit‹ für den Deutschen Literaturpreis nominiert.


An dieser Stelle möchte ich noch einmal erwähnen, dass alle Rechte (Coverbild, Klappentext, etc.) beim dtv-Verlag liegen und mich an dieser Stelle herzlich dafür bedanken möchte, die Bilder und Texte verwenden zu dürfen. Außerdem danke ich dafür, dieses Buch als Rezensions-Exemplar erhalten zu haben.
Diese
Rezension entspricht meiner persönlichen Meinung und kann bei anderen
Bloggern oder Lesern wieder ganz anders ausfallen. Ich möchte darum
bitten, dies zu berücksichten.

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