Titel: Nebelsilber

Autor: Tanja Heitmann
Verlag: cbt Verlag
Reihe/Serie: Einzelband
Genre: Jugendbuch / Fantasy
Originaltitel: ———-
Seitenanzahl: 400
ISBN: 978-3570161210
Erscheinungsdatum: 23.November.2015
Format: Hardcover
Empfohlen: ab 13 Jahren
Unverbindliche Preisempfehlung: 16.99€
Kauf-Möglichkeiten u.A.:
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Besonderheiten: keine bekannt

  

Als die siebzehnjährige Edie mit ihrem Vater in ein einsames Haus im
Wald zieht, will sie eigentlich nur ihren Liebeskummer bewältigen. Das
abgeschiedene Wasserruh ist jedoch ein Ort voller Mythen, die einen
unwiderstehlichen Reiz auf sie ausüben. Als plötzlich der vor zehn
Jahren verschollene Silas Sterner vor ihr steht, kann er sich nur daran
erinnern, dass ihr Herzschlag ihn zurückgebracht hat. Doch im Nebel des
Erlenwalds lauert eine dunkle Macht darauf, Silas wieder in die
Nachtschatten tief im Erdreich unter Wasserruh zu locken. Edie gerät in
ein Netz aus alten Geheimnissen und Lügen, während das Band zwischen ihr
und Silas immer stärker wird – bis es plötzlich zu reißen droht, als
sie der Wahrheit zu nahe kommt.

Nachdem dieses Buch allein wegen des Covers in wirklich aller Munde war, wurde auch ich zunehmend neugieriger. Ich wusste allerdings nicht so recht, was mich erwarten wird, denn die Kritiken zu diesem Werk gehen doch stark auseinander. Ich hab mich jedenfalls überraschen lassen & mir das Buch ganz unvoreingenommen zu Gemüte geführt. Wie es mir letztlich gefallen hat, erfahrt ihr genau jetzt:
Der Einstieg fiel mir schon mal recht leicht. Alles beginnt damit, wie Edie zusammen mit ihrem Vater Haris nach Wasserruh kommt & die ersten Eindrücke sammelte. So konnte ich das Dörflein auch erst einmal auf mich wirken lassen und alles nach und nach kennen lernen. Ich muss sagen, dass Wasserruh ein wirkliches Nest ist, das schon auf den ersten Seiten richtig verwunschen und märchenhaft dargestellt wurde. Ich fühlte mich gleich in eine andere Welt versetzt und genoss es, so schnell in die Geschichte eintauchen zu können.
Edie, die Protagonistin der Geschichte war mir anfangs noch etwas fremd. Ich hab einige Seiten gebraucht, um mich tatsächlich mit ihr anzufreunden, obwohl ich nicht einmal benennen kann, woran das lag. Nachdem diese kleine Hürde also erfolgreich von mir überwunden wurde, fiel es mir auch leichter, mit Edie die Geschichte zu erleben und mit ihr mitzurätseln, mitzufiebern und mich mit ihr zusammen zu gruseln. Edie wirkte sehr real und authenthisch auf mich, wenn auch ein kleines bisschen distanziert und naiv an mancher Stelle. Nichts desto trotz konnte ich ihre Handlungen und Gedankengänge meist leicht nachvollziehen und kann im Endeffekt nur sagen, dass ich zwar nicht immer, aber doch sehr oft ganz ähnlich gehandelt und entschieden hätte. Was mich ein bisschen an ihr störte war dann letztlich die Tatsache, dass ich mit ihrer Gabe rein gar nichts anfangen konnte. Ich hab auch bis zuletzt nicht vollkommen verstanden, zu was genau die nützlich sein sollte, doch gut – das ändert ja nichts dran, dass ich das Mädchen lieb gewann und sie sympathisch fand.
Auch die Nebenfiguren gefielen mir soweit ganz durchschnittlich. Ich muss ja gestehen, dass ich keinem der beteiligten Leuten auch nur einen Funken Vertrauen entgegenbringen konnte. Teilweise waren mir die Charaktere zu verschroben und merkwürdig, als dass ich sie als realistisch einstufen könnte. 
Der Stil hingegen überzeugte mich auf ganzer Linie. Während viele die Art, wie Frau Heitmann schreibt, kritisiert, empfand ich den Stil und die Sprache als sehr angenehm und vor allen Dingen, sehr flüssig und schnell zu lesen. Außerdem fand ich die einzelnen Szenen sehr detaillreich formuliert und dargestellt, ohne dabei zu ausschweifend zu werden. Ich hatte also ein klares Bild vor meinem inneren Auge, wurde dabei aber nicht durch zu viele, fade Beschreibungen gelangweilt. Geschrieben hat die Autorin übrigens aus der dritten Person, in der Vergangenheit, was mir sehr zusagte. Die kurzen Kapitel von je (circa) 10 Seiten sorgten für spannenden Lesespaß und dem Drang, immer weiter zu lesen; frei nach dem Motto „ach, ein Kapitel geht noch.“.
Ideen-technisch war das Buch für mich etwas völlig Neues und Erfrischendes. Ich liebe Geschichten, die in einem düsteren Wald spielen, ohne dass der Autor lediglich auf Grusel und Nervenkitzel setzt. In „Nebelsilber“ gab es zwei Seiten des Waldes, einmal die wunderschöne, wenn das Sonnenlicht durchs Blätterdach dringt, und zum anderen natürlich auch die Düsternis, der Nebel und die gruseligen Geräusche. Zusätzlich dazu empfand ich den Hauptplot sowie die anderen kleinen Plots als sehr durchdacht und zueinander passend, sodass eine wirklich schlüssige Geschichte dabei entstanden ist. Überdies möchte ich auch nicht unerwähnt lassen, dass ich es wirklich toll finde, wie es doch sehr deutliche Parallelen zum „Erlkönig“ von Goethe gibt. Das Gedicht hat die Geschichte geprägt und war somit noch erfrischender und zeugte m.M.n von großer Kreativität der Autorin.
Die Umsetzung. Ja die liebe Umsetzung. An sich habe ich in diesem Punkt gar nicht so wahnsinnig viel zu kritisieren, lediglich, dass einige „Wendungen“ doch sehr vorhersehbar waren und deshalb einiges an Spannung flöten ging. Dennoch würde ich die Geschichte keineswegs als langweilig betiteln, schließlich war ich doch gefesselt von dem Abenteuer, das Edie erlebte, und kannte manchmal sogar Mühe, das Buch wieder aus den Händen zu legen. Lediglich dass manche Nebenplots für mich schon vorher klar waren, gefiel mir die Umsetzung soweit eigentlich ganz gut. Ich hätte mir an der ein oder anderen Stelle vielleicht noch ein paar Erklärungen bezüglich Edie’s Gabe gewünscht, um den Ganzen besser folgen zu können, doch alles in allem, war ich zufrieden.
Was ich vom Schluss nicht behaupten kann. Irgendwie leuchtete mir das Ende in keinsterweise ein. Wie so oft, tu ich mir schwer, das zu beschreiben, ohne zu spoilern; aber hatte ich doch das Gefühl, dass die Autorin nochmal einen Knaller raushauen wollte, es aber nicht ganz schaffte. Die Fäden, die während der Geschichte zusammenliefen, deuteten auf etwas hin, worauf ich mich freute, doch das Ende lief so ganz anders ab, als erwartet… was mich enttäuschte. Einerseits finde ich die Auflösung zu naheliegend, zu einfach.. andererseits.. naja, ich weiß nicht, aber das Ende ruinierte mir dann nochmal alles. Mag sein, dass hier deutlich wird, dass ich deutlich über dem, von der Autorin angestrebten Leserkreis bezüglich des Alters, liege, aber rund um stellt mich das Ende einfach nichtt zufrieden.
   
Dieses Werk lässt mich relativ zwiegespalten zurück. Einerseits habe ich viele positiven Aspekte gefunden und oben genannt, andererseits will meine Enttäuschung über dieses Ende einfach nicht weichen. Doch trotz allem habe ich einige schöne, kurzweilige Lesestunden damit verbringen können und ich hatte Spaß beim Begleiten der Figuren. Wer sich einen unterhaltsamen, durchaus spannenden Jugendroman wünscht mit einigen fantastischen (wortwörtlich) Elementen und einem tollen Setting, dabei jedoch nicht mit dem großen Highlight am Ende rechnet, wird Nebelsilber sicherlich große Klasse finden.
 

Ich vergebe 3.5 von 5 möglichen Sternen! Nebelsilber hat mich sowohl positiv überrascht, wie auch am Ende enttäuscht, doch alles in allem eine schöne Geschichte für junge Leser und alle, die jung geblieben sind.

Tanja Heitmann


Tanja Heitmann wurde 1975 in Hannover geboren. Sie arbeitet in einer
Literaturagentur und lebt mit ihrer Familie auf dem Land. Ihr Debütroman
„Morgenrot“ war ein sensationeller Erfolg und stand monatelang auf den
Bestsellerlisten. Zuletzt bei Heyne erschienen: „Traumsplitter“. Die
„Schattenschwingen“-Reihe, ihre erste Jugendfantasy, wurde von Presse
und Publikum ebenfalls begeistert aufgenommen.


An dieser Stelle möchte ich noch einmal erwähnen, dass alle Rechte (Coverbild, Klappentext, etc.) beim cbt-Verlag liegen und mich an dieser Stelle herzlich dafür bedanken möchte, die Bilder und Texte verwenden zu dürfen. Außerdem danke ich dafür, dieses Buch als Rezensions-Exemplar erhalten zu haben.
Diese
Rezension entspricht meiner persönlichen Meinung und kann bei anderen
Bloggern oder Lesern wieder ganz anders ausfallen. Ich möchte darum
bitten, dies zu berücksichten.

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