Titel: Aquila

Autor: Ursula Poznanski
Verlag: Der Hörverlag
Reihe/Serie: Einzelband
Sprecher: Laura Maire
Übersetzer: (auf deutsch erschienen)
Genre: Jugendthriller
Hördauer: 11Std50Minuten
Format: ungekürzte Lesung
ASIN: B0747N6T3F
Erscheinung: 14.08.2017
Empfohlen ab 12 Jahren
Preisempfehlung: 16,99€
Kauf-Möglichkeiten u.A.:
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Wenn die eigene Erinnerung trügt

Als Nika an einem Sonntagmorgen
ziemlic h verkatert in den Badezimmerspiegel schaut, steht dort eine
Nachricht. Wer hat sie an den Spiegel geschmiert? Und was hat sie zu
bedeuten? Wo sind Nikas Hausschlüssel und ihr Handy? Wo ist Jenny, ihre
Mitbewohnerin? Und warum ist ihr heute überhaupt so schlecht, sie hat
doch gestern gar nicht viel getrunken? Erst durch die Morgennachrichten
im Fernsehen erfährt Nika, dass heute gar nicht Sonntag ist, sondern
Dienstag. Ihr fehlt die Erinnerung an zwei ganze Tage, in denen
irgendetwas Schreckliches passiert sein muss. Aber was?

Himmel was ich hab mich gefreut, als ich hörte, dass Ursula Poznanski einen neuen Jugendthriller veröffentlicht?! Ich war so Feuer und Flamme für dieses Buch, sehe aber absolut nicht ein, für ein „Taschenbuch“ (wie es bei Amazon steht) bzw eine broschierte Ausgabe dermaßen viel Geld auszugeben! Ich finde es ohnehin eine Sauerei, dass Werke von bekannten Autoren, wie gerade Poznanski, Fitzek, Veronica Roth, etc. so überteuert verkauft werden, denn sind ihre Geschichte denn wertvoller als Bücher aus den Federn von unbekannten Autoren? Es gibt Hardcover, die deutlich dicker und dabei günstiger sind. Aber das nur so am Rande; das ist einfach meine (!!) Meinung zu diesem Thema. Also Madame Sturkopf gedacht „Pff, les ichs halt nicht“ .. und dann kam Audible und empfahl mir dieses Hörbuch. Das war dann wohl ein klassischer Wink mit dem Zaunpfahl und ich musste, nachdem ich die Hörprobe für gut befunden hatte, direkt zuschlagen und es hören. Wie es mir gefiel, erfahrt ihr jetzt:

Der Einstieg in die Geschichte gelang mir, wie ich es von der Autorin erwartet habe und auch schon gewohnt bin, richtig gut. Es hat keine 5 Minuten gedauert, ehe bereits die erste spannende Passage auftaucht und man direkt spüren kann, wie viel da noch auf den Leser zukommt. Nichts desto trotz bekommen wir dennoch einige Informationen zugetragen, die aber alle interessant in die Geschichte mit eingewoben wurden und keineswegs langweilig verpackt wirkten. Wir lernen nicht nur unsere Hauptfigur bereits während des Einstiegs kennen, sondern auch andere, vielleicht eher nebensächliche Personen kennen, was einem die Geschichte einfach direkt näher bringt und man noch tiefer ins Geschehen eintauchen kann. für ein rund herum gelungener Start, der viel verspricht und neugierig macht.

Nika, unsere Hauptfigur, bekommt schon in den ersten Minuten ausreichend viel Tiefgang verpasst, um sie realistisch erscheinen zu lassen. Die Infos, die dem Leser nach und nach zugespielt werden sind alle recht wichtig für die Geschichte und sorgen für Tiefgang. Die junge Frau zieht nach Sienna in eine WG, um in dieser traumhaften Stadt zu studieren. Während ihre Mitbewohnerin Jenny eher kopflos in den Tag hinein lebt,  ist Nika die bodenständigere der beiden. Sie wirkt sehr reif, sehr ruhig, besitzt aber dennoch ein gutes Maß an Mut, das mich immer wieder, entweder staunen oder den Kopf schütteln ließ. Ich fand, dass diese Protagonistin wirklich völlig normal und authentisch rüber kam und durchaus dem echten Leben entsprungen sein könnte. Sie geht ihren Gedächtnisverlust, zumindest nach dem ersten Schock, sehr bedacht an und versucht, einzelne Puzzleteile miteinander zu verbinden. Was mich an dieser Stelle etwas störte waren ihre Alleingänge, die irgendwann einfach Überhand nahmen und sie einige Sympathie-Punkte einbüßen musste.In dieser Hinsicht war sie mir doch zu stur und nicht ganz glaubhaft, meiner Meinung nach, was einfach schade ist, denn das hätte überhaupt nicht sein müssen.
Ansonsten sind ihre Gedankengänge und Schlussfolgerungen logisch und nachvollziehbar. Meist ist es ja so dass die Figuren die Lösung direkt vor die Nase gesetzt bekommen, aber einfach ein Brett vor dem Kopf haben und nichts kapieren; das war hier nicht der Fall, zum Glück. Es gab immer wieder Fortschritte, die mir gefielen und die einiges der alleinigen Streifzüge wieder wett machen. Alles in allem fand ich Nika dennoch absolut sympathisch und ihre Gefühle wurden toll an den Leser transportiert. Ich konnte wunderbar mit ihr mitfiebern, und das ist für mich ja immer der wichtigste Punkt was Charaktere betrifft.
Alle anderen Figuren waren zwar auch recht detailliert dargestellt, waren aber für das Geschehen eher nebensächlich, weswegen ich einfach alle in einen Sack stecke und mein Urteil über die Randfiguren eher allgemein fällen möchte: Ich fand alle sehr authentisch und glaubwürdig, sehr verschieden und glaubhaft, sehr vielfältig und echt. Klar gabs auch wieder Personen, die bei mir einfach auf Antipathie stießen, aber das brauch ein Buch genau so sehr wie die liebenswerten Figuren.

Die Hörbuch-Sprecherin Laura Maire war mir bis vor ‚Aquila‘ absolut fremd und überhaupt kein Begriff; inzwischen weiß ich aber, dass diese Frau eine sehr eigene Stimme hat, die mir selbst jetzt noch immer im Gedächtnis geblieben ist. Ich fand, sie laß die Geschichte einfach einzigartig und rückblickend hätte es wohl niemanden gegeben, der besser gepasst hätte. Ihre Stimmfarbe ist etwas dunkler, irgendwie geheimnisvoll, fast düster und erzeugt allein schon so viel Spannung, dass sie wohl aus jeder Geschichte einen Thriller machen könnte. Ich hab ihr so gerne zugehört und gerade wenn es wieder um dieses eine Lied ging (nein ich spoilere damit nicht 😉 ) und sie es vorsang, bekam ich ausnahmslos jedes Mal am ganzen Körper Gänsehaut. Auch ihre Bestonungen und die wechselnden Tempi sagten mir sehr zu und gefielen mir auf ganzer Linie. Ich bin mir absolut sicher, dass ich mir mehr von ihr anhören werde & umso erfreulicher finde ich es, dass ich sogar noch ein Hörbuch von ihr hier habe.

Der Stil von Ursula Poznanski brauche ich gar nicht großartig auszuführen. Sie schreibt wirklich gut, erzeugt mit bloßen Worten neue Welten und versteht es, den Leser zu fesseln. Ich achte bei Hörbüchern nie großartig auf den Stil, doch kenne ich die Autorin ja bereits aus anderen Büchern und weiß, wie verständlich und bildhaft sie schreibt. Sie ist nicht ohne Grund eine meiner liebsten Autorinnen im Bereich der Jugendthriller. Erzählt wird übrigens aus der dritten Person, was mich zwar überraschte, aber auch überzeugte, denn dieser Erzählstil scheint immer mehr und mehr abzunehmen und man trifft ihn immer seltener an. Aber wie gesagt: hat toll zur Story gepasst und war angenehm zu lesen/hören.

Die Grundstoryline ist sicherlich nichts neues; Bücher rund um Gedächtnis-Verlust gibt es wie Sand am Meer, doch im Bereich der Jugendthriller bin ich dieser Thematik doch noch nicht oft begegnet. Alles ist sehr geschickt eingefädelt, die Auflösungen kommen nach und nach in Häppchen und ergeben lange Zeit überhaupt keinen Sinn. Dass unsere Protagonistin quasi alles im Alleingang macht und weder auf Freunde noch auf die Polizei vertraut, sehe ich, wie gesagt, nicht unbedingt als Pluspunkt an, doch hat diese Tatsache dafür gesorgt, dass es doch spannender war, als wenn erfahrene Polizisten ermitteln würden. Die Nebenstränge sind alle plausibel und ergeben später auch einen Sinn, auch wenn ich damit anfangs noch nicht wirklich gerechnet hatte. Mir kam vieles seltsam vor, doch umso größer war später auch der Aha-Effekt. Allgemein fand ich die Umsetzung durchaus gelungen, gerade was die Spannung betrifft. Es kommt selten vor, dass ich wirklich in jeder freien Minuten wissen möchte, wie es bei meinem Hörbuch weitergeht und dementsprechend danach greife – hier war das der Fall. Ich war wirklich gefesselt, auch durch die Sprecherin, aber hauptsächlich wegen den Irreführungen, die es zweifelsohne gibt. Immer wieder hat man als Leser eine Idee, wie es gewesen sein könnte; doch kaum hat man den Gedanken zu Ende gesponnen, wird man wieder in eine andere Richtung geschupst und alle Ideen im Keim erstickt. Auch langsame Passagen findet man hier eher selten; es passiert während all den Stunden alles Knall auf Fall und ist äußerst spannend und mitreißend.

Dann kam die Auflösung des Hauptplots und ich dachte nur so ‚ähm.. ok..‘. Also meiner Meinung nach war das definitiv kein Highlight, denn ich hab eine gewisse Enttäuschung nicht unterdrücken können. Ich hatte mit einem regelrechten Feuerwerk gerechnet, mit einem riesigen Wow-Moment, mit irgendwas, nur nicht mit dem, was icih bekam. Während all der Zeit, in der ich überlegt und gerätselt habe, in der ich immer wieder andere Charaktere verdächtigt hatte, war ich so begeistert und dann kam eben das Ende, das mich so gar nicht glücklich stimmen und befriedigen konnte. Da hätte man sich einfach was Besseres einfallen lassen können, das wirklich überrascht.

Selten
habe ich so mit mir gehadert, wie bei ‚Aquila‘ von Ursula Poznanski.
Das ganze Buch über hatte ich kaum was zu kritsieren; lediglich die
unüberlegten, zwanghaften Alleingänge unserer Hauptprotagonistin und war
der festen Überzeugung, das gibt minimum 4.5 Sterne.. und dann kam das
Ende, das mich wirklich frustrierte. Ich merke auch jetzt noch nach dem
Lesen, dass das das ganze Buch irgendwie total nach unten gerissen hat. Deshalb fällt mir die Bewertung und das entgültige Fazit wirklich schwer .. versuchen wir es trotzdem.

In ‚Aquila‘ von Ursula Poznanski treffen wir auf eine recht große Anzahl an den unterschiedlichsten Charakteren, auf eine einzigartig tolle Sprecherin, einen eben so tollen Schreibstil und eine gut umgesetzte Grundidee mit vielen interessanten Nebensträngen – leider aber auch auf einen weniger tollen Schluss, der das ganze Potential des Buches irgendwie zu nichte macht. Schade. Wirklich schade. Denn obwohl mich quasi das gesamte Buch begeistert war, war ich vom Ende echt enttäuscht. Nichts desto trotz eine lesenswerte Geschichte, die überwiegend zu überzeugen weiß.

Ich vergebe gut gemeinte 3.5 von 5 Sternen und spreche trotz meiner Kritik eine Lese-Empfehlung aus, schließlich sind ja (zum Glück) all unsere Geschmäcker verschieden und ich kann mir gut vorstellen, dass es viele begeisterte „Aquila-Fans“ geben wird, die von diesem Buch restlos begeistert sein werden.

 

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Ursula Poznanski, 1968 in Wien geboren, arbeitet als Journalistin für
eine Reihe medizinischer Fachzeitschriften. Seit 2003 veröffentlicht sie
auch Kinderbücher. Für Die allerbeste Prinzessin erhielt sie den
Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien 2005 und stand auf der
Auswahlliste für den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis. Sie
lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien. Ihr Cyberthriller Erebos wurde
von der Jugendjury mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2011
ausgezeichnet. Ende 2011 erschien ihr zweiter Jugendroman, der Thriller Saeculum.


An dieser Stelle möchte ich noch einmal erwähnen, dass alle Rechte (Coverbild, Klappentext, etc.) bei Audible und bei DerHörverlag liegen und mich außerdem herzlich dafür bedanken möchte, die Bilder und Texte verwenden zu dürfen.
Diese
Rezension entspricht meiner persönlichen Meinung und kann bei anderen
Bloggern oder Lesern wieder ganz anders ausfallen. Ich möchte darum
bitten, dies zu berücksichten.

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