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15. März 2022 0 Von Patchis Books
BLUE
– wo immer du mich findest –
Nikola Hotel

New Adult
Band 2 von 2
Paper Love Dilogie
432 Seiten
14. Dezember 2021
Kyss Verlag
Paperback
12,99€
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#werbung #rezensionsexemplar


Liebe muss nicht perfekt sein. Nur richtig. 

Jane ist allein. Weil ihre Mutter plötzlich gestorben ist. Weil ihr Bruder sie belogen hat. Und weil es ein Geheimnis gibt, von dem niemand erfahren darf. Da sie momentan nicht nach Hause will, schläft sie heimlich in dem Diner, in dem sie arbeitet. Zumindest lenkt der Job sie ab. Vor allem wenn Alex da ist. Alex, der arrogant, ironisch und aufbrausend ist. Und der sie trotzdem fasziniert. Denn nach und nach fällt ihr auf, dass der gutaussehende Politikstudent nur in bestimmten Situationen so bissig reagiert. Er scheint andere Menschen mit Absicht auf Distanz zu halten. Und als Jane den Grund dafür erfährt, bricht ihr das Herz …

(c) by Kyss Verlag

Schon nach den Blakely-Brüder war ich ein riesengroßer Fan von Nikola Hotel; und der Auftakt der Paper Love Dilogie, „Ever“, hat das keineswegs geschmälert, sondern mich noch viel mehr bestärkt in der Annahme, dass die Autorin zurecht ganz weit oben auf meiner Favoritenliste steht. Umso neugieriger und gespannter war ich auf „Blue“ und somit auf Geschichte von David’s kleiner Schwester Jane. Aber mit den Erwartungen kommen immer auch gewisse Zweifel und Ängste: kann das Buch wirklich wieder so begeistern? Lässt mich dieser Roman auch tausenderlei Gefühle durchleben? Oder ist der Fall am Ende umso schmerzhafter? Heute möchte ich euch gern verraten, wie mir das Finale des Zweiteilers gefallen hat. Falls ihr also neugierig seid, dann bleibt jetzt gerne dran. Viel Spaß bei der Rezension.

Während in Band 1 noch David eine der Hauptrollen übernommen hatte, so begleiten wir in diesem zweiten Band seine kleine Schwester Jane. Schon als Nebencharakter begeistert die junge Frau durch ihre authentische, liebenswerte Art und ich war echt gespannt darauf, wie sie sich in iihrer eigenen Geschichte so macht. Die Ausgangslage jedenfalls war vielversprechend; auch weil wir bereits einen Blick auf Jane’s Probleme werfen konnten, die jedoch nur angeschnitten worden sind – in ihrem eigenen Roman hingegen dann genauer beleuchtet und behandelt wurden. Ich lernte Jane auch hier wieder als sehr glaubwürdige, lebendige junge Frau kennen, mit der es das Schicksal nicht immer gut gemeint hat und die schon einiges verkraften musste. Davon ist sie dementsprechend auch gezeichnet; jedoch wirkt sie größtenteils trotzdem wie eine ganz normale 21-Jährige, die lacht, Spaß hat und ihren Freunden loyal zur Seite steht. Aber hinter der Fassade verbargen sich so viele Emotionen, dass sie kaum alle zu greifen waren. Jane wirkt in gewissen Situationen unsicher, fast ängstlich und kämpft stellenweise auch mit ihrer Psyche – was ich aber absolut nachvollziehen und vor allem nachempfinden konnte. Allgemein fiel es einem alles andere als schwer, sich ihr nahe zu fühlen, weil es der Autorin wieder einmal gelungen ist, eine durch und durch facettenreiche, unverfälschte, dreidimensionale Persönlichkeit zu erschaffen, die der Leser gern begleitet. Die Gefühle wurden ungebremst übertragen, nahmen einen für sich ein und ließen einen intensiv mitfühlen und mitfiebern. Jane’s Handlungen und Gedankengänge fielen größtenteils glaubhaft oder logisch aus, sodass auch da kein Grund für Distanz entstand. Im Grunde kann ich nur von ihr schwärmen, auch wenn sie manchmal vielleicht eine Nuance zu sehr in Selbstmitleid versank bzw. zu überspitzt reagierte und daher den ein oder anderen Pluspunkt einbüßte – aber darüber konnte ich, in Anbetracht des großen Ganzen hinwegsehen. Ich mochte sie wegen ihrer Stärke, aber auch wegen ihrer Schwäche. Ich liebte sie in den hellen, aber auch in den dunklen Zeiten. Jane war einfach jemand, der immerzu an andere dachte; sich selbst dabei aber nicht aus den Augen verlor und wahrscheinlich war genau das, was mich schlussendlich am meisten von ihr überzeugte.
Alex hatte hingegen einen etwas schwereren Stand. Obwohl er, genau wie Jane, seine eigenen Kapitel zugesprochen bekommen hat, gab da immerzu das Gefühl von Abstand zwischen uns. Ich fand keine richtige Bindung zu ihm, und das, obwohl mich seine Geschichte absolut berührte. Trotzdem kam ich nicht 100% an ihn ran – vielleicht auch, weil er so ganz anders ist als das, was man gewohnt ist von männlichen Charakteren. Alex war in keinster Weise ein Bad Boy, aber irgendwo auch nicht der typische Good Guy. Er wirkt oft jung und blau hinter den Ohren, was einerseits erfrischend war, andererseits aber auch schwer zu verdauen. Seinem Auftreten fehlte es, für meinen Geschmack (!!), ein wenig an Selbstbewusstsein und Präsenz. Obwohl er unsagbar schlau und attraktiv erschien, strahlte er nach außen hin zu wenig Selbstvertrauen aus und das machte ihn recht „klein“. Allerdings will ich ihn gar nicht großartig schlecht machen, denn sympathisch war er allemal und meiner Meinung nach auch die perfekte Besetzung für diese Geschichte. Alex hatte noch mehr zu erzählen als Jane; noch mehr Baustellen, noch mehr Probleme, noch mehr schwere Vergangenheit. Und ich muss zugeben, obwohl er nicht meinem Ideal vom perfekten Book Boyfriend entsprach, verfolgte ich der Schilderung seines bisherigen Lebens fast noch lieber als Jane’s Story. Alex war durch und durch interessant, und in gewisser Weise sogar sehr stark; denn er sah seine Fehler, seine Schwäche und arbeitete daran. Und ein paar unsagbar süße Momente liefert er ebenfalls. Also ihr merkt: da war das ein oder andere, das mich nicht komplett umhaute, aber im Gesamten war Alex eine überzeugende Hauptfigur, die mich und mein Herz erreichen konnte, nur aber einfach nicht 100% meinem Geschmack entsprach – und dafür kann weder Alex, noch die Autorin was.
Und zu den Nebenfiguren muss ich definitiv auch noch etwas loswerden: ich frage mich ständig: wie sehr kann man eine Clique denn lieb gewinnen? Wir haben in diesem Buch so viele bekannte Gesichter getroffen, dass ständig sowas wie Wiedersehensfreude herrschte. Sogar Ivy, Asher, Noah und Aubree aus der Blakely-Brüder-Dilogie spielten eine nicht unwesentliche Rolle und mein Herz schlug bei Asher’s „Anblick“ natürlich automatisch höher. Dass David, als großer Bruder von Jane und Abby, als Freundin dessen ebenfalls des Öfteren auf der Bildfläche erschienen, ist, denke ich mal, klar. Doch auch neue Bekanntschaften durften wir schließen. So entstand eine harmonische Mischung und eine wirklich vielfältige Kombination.

Die Idee hinter diesem zweiten Band war bereits nach dem Beenden des Vorgängers, fast klar. Da wir bereits wussten, womit Jane sich herumschlagen muss und schon den ein oder anderen Konflikt gelesen hatten, war es lediglich dahingehend spannend, wie Nikola Hotel die ganze Problematik handhabte. Ich war echt neugierig, und auch ein bisschen ängstlich, weil ich zu erahnen meinte, dass es hier etwas dramatischer werden könnte, als man es von der Autorin gewohnt ist. Aber ich ließ mich überraschen und jetzt erzähle ich euch, wie das Ganze auf mich wirkte:
Der Einstieg in die Geschichte fiel nicht weiter schwer. Da wir Jane und ihr Umfeld sowie ihre Probleme bereits grob kannten, war man binnen weniger Silben bereits komplett in ihrer Welt versunken. Das Setting, das zu Beginn wohl die größte Rolle einnahm, nämlich das Café, indem Jane arbeitet, versprühte eine sehr heimelige Atmosphäre und ließ richtige cozy Vibes entstehen.  Auf das erste Aufeinandertreffen und damit auf den ersten Konflikt der beiden Hauptfiguren braucht man hier nicht lange zu warten; und dabei entsteht direkt eine gewisse Spannung, die zusätzlich fesselt. Leider aber wirkt es zu Beginn doch recht aufgesetzt, wie Alex und Jane miteinander umgehen. Als hätte man auf Gedeih und Verderb eine Enemies-to-Lovers-Story daraus machen müssen, obwohl man vorn herein merkt, dass die beiden hinter den erzwungenen Streitereien und den vermeindlich ablehnenden Gedanken alles sind, nur keine Feinde. Doch im Laufe der Handlung nahmen diese ersten negativen Eindrücke dann ab, und es wurde wesentlich glaubwürdiger. Ich konnte immer mehr nachfühlen, was in den beiden Protagonisten vor sich geht und fieberte zunehmend mehr mit ihnen mit. Leider ploppte dann direkt der nächste Problempunkt auf: die Sache zwischen Jane und ihrem Vater. Auch das nahm ich der Autorin nicht zu 100% ab. Der Flow fehlte und es geschahen gleich mehrere Dinge, die im echten Leben kaum so ablaufen würden. Zu viele Zufälle, zu viel Ablehnung von Seiten der Protagonistin. Inzwischen haben sich auch die Vermutungen, ob das alles nicht an Jane als Person gelegen haben könnte, aufgetan; aber wie ich es auch drehte und wendete: ich mochte die junge Frau und wälzte die Kritik dann eher auf die Handlung ab. Der Funke wollte schlicht nicht so überspringen, wie es nötig gewesen wäre, um mich von Anfang an auch emotional an die Seiten zu bannen.
Erst ab der Hälfte lief es dann runder – reibungsloser. Ich kam mehr in die Geschichte rein, steckte auch meine Emotionen in die Story. Und ab diesem Punkt ging es, für mein Empfinden, stetig bergauf. Sicher, einiges war absolut vorhersehbar, aber dadurch, dass es Nikola Hotel schließlich doch noch gelungen ist, Tiefgang, Authenzität und Lebendigkeit in die ganze Sache reinzubringen, war es sogar ganz angenehm, dass man nicht im Dunkeln tappt. Der Spannungsbogen war trotzdem da, gerade auf der Gefühlsebene und der Wohlfühl-Faktor tat sein Übriges, um das Buch docb noch zu was Besonderem zu machen. Es war eine gelungene Mischung aus cozy Szenen und tiefgründigen, berührenden Parts und so hatte dann auch die Langeweile keine Chance mehr.
Genau wie man es von Nikola Hotel kennt, verzichtet sie auf actionreiches Drama, auf Undurchsichtigkeit und auf großes Theater – stattdessen erleben wir tolle Momente in der Natur, dürfen Streitgespräche mitverfolgen, die sehr hitzig werden können und begleiten die Figuren dabei, wie sie sich dem jeweils anderen gegenüber öffnen. Und das tun sie in einem sehr angenehmen und vor allem glaubwürdigen Tempo. Niemand platzt mit seiner Lebensgeschichte heraus, sondern nimmt sich Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Gerade Alex‘ Geschichte ist hochgradig bewegend, und deutet mit dem Finger sogar noch auf die allseits bekannte Problematik mit Homosexualität hin. Deshalb fand ich ihn wohl auch noch eine Spur interessanter, als Jane. Bei ihm gab es mehr zu erfahren; mehr Geheimnisse und mehr Offenbarungen, die mitten ins Herz treffen.
Der Schlusspart holt dann nochmal alles aus der Storyline heraus. Wie schon erwähnt kommt der Twist nicht super unerwartet, aber er konnte mich trotzdem berühren. Wohl besonders deshalb, weil die Ausarbeitung und Darstellung so gelungen ausfiel. Wahnsinnig emotional, deutlich temporeicher als der Vorlauf und am Ende eben auch wunderschön. Für meinen Geschmack hat die Autorin die Geschichte, die nicht ganz so stark gestartet ist, wie erhofft, aber sich dann immer mehr steigerte, perfekt zum Abschluss gebracht, indem sie alle offenen Fragen und Stränge miteinander verflocht und den Leser mit einem guten Gefühl zurücklässt.

Am Schreibstil gibt es, mal wieder, gar nichts zu rütteln. Nikola Hotel schreibt unsagbar locker und leicht, erzeugt aber mit ihren Worten eine Atmosphäre, die in der Lage ist, den Leser voll und ganz zu verschlingen. Obwohl ich mit der Story anfangs so meine Probleme hatte, so war ich von der Erzählweise doch so sehr in Beschlag genommen worden, dass ich mich dauerhaft an die Seiten gefesselt fühlte. Ich konnte mir jede Szene, jede Figur, jedes Fleckchen, das in diesem Buch eine Rolle spielt, nicht nur vor Augen führen – nein! Die Autorin hat mich regelrecht dorthin entführt und ich sah mich so oft an einem der Tische im Café sitzen und so oft die Einsamkeit im Wald genießen; immer an der Seite einer Hauptfiguren. Für mich ist der Stil von Nikola Hotel was ganz Besonderes, und das, obwohl er sich, meiner Meinung nach, faktisch nicht von anderen NA-Autoren abhebt. Trotzdem kann ich in ihren Geschichten schlicht komplett versinken und währendessen alles um mich herum vergessen.
Übrigens an der Stelle auch noch einmal ein riesengroßes Lob an den Kyss-Verlag! Die Aufmachung des Buches ist mindestens genau so gelungen, wie die des ersten Bandes – und schon der haute mich damals regelrecht aus den Socken. Allein das Cover, die Liebe zu den Details, das Daumenkino – in diesem Roman steckt viel mehr, als eine schöne Story, und das wollte ich an der Stelle mal würdigen.

Was für ein Drama diese Rezension doch war. Von Anfang an wusste ich, auf welche Sterne-Bewertung ich mich festlege, aber wie ich das Chaos in meinem Kopf in Worte fassen sollte; das war unklar. Nun hab ich’s geschafft – ob nun erfolgreich oder nicht; ich denke, mir ist es doch ganz gut gelungen, meine Eindrücke darzustellen. Für mich war „Ever“ vor allem zu Beginn nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte. Der Einstieg war zwar kinderleicht, doch der Funke wollte und wollte nicht überspringen. Obwohl ich beide Protagonisten gerne mochte, waren mir ihre Interaktionen untereinander oft nicht ganz zugänglich und erst ab der Hälfte etwa, verblassten diese negativen Eindrücke und die Geschichte steigerte sich zunehmend. Am Ende war ich dann doch glücklich, wie alles ein Ende fand und konnte, bis auf ein paar Kleinigkeiten, meinen Frieden mit der Handlung finden. Für alle Fans der Autorin ist dieser Roman ohnehin ein Muss, aber für alle anderen: gebt dem Ganzen eine Chance – spätestens ab der zweiten Hälfte geht es steil bergauf und die typisch intensiven, berührenden Emotionen und der Tiefgang kommen doch noch auf und verzaubern einen.

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Nikola Hotel hat eine große Schwäche für dunkle Charaktere und unterdrückte Gefühle. Obwohl sie auch schon romantische Komödien geschrieben hat, hängt ihr Herz daher vor allem am New-Adult-Genre. Und das merkt man ihren ebenso gefühlvollen wie mitreißenden Liebesgeschichten an. «It was always you», der erste von zwei Bänden um die Blakely-Brüder Asher und Noah, stieg unmittelbar nach Erscheinen auf die Spiegel-Bestsellerliste ein. Das Buch wie auch der Nachfolger «It was always love» wurden aufwendig von Carolin Magunia mit Handetterings illustriert. Nikola Hotel lebt mit ihrem Mann und den drei gemeinsamen Söhnen in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bonn, arbeitet aktuell an ihrem nächsten Projekt und tauscht sich auf Instagram gern mit ihren Lesern und Leserinnen aus.

(c) by Kyss Verlag

An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass diese Rezension meiner ganz persönlichen Meinung entspricht und bei jedem Leser anders ausfallen kann. Außerdem möchte ich mich gerne beim Kyss Verlag bedanken: für alle Bilder und Klappentexte sowie Zitate benutzen zu dürfen.