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30. Oktober 2022 1 Von Patchis Books
DAS HOTEL
Katharina V. Haderer
Mystery-Thriller
Einzelband
285 Seiten
30. Juni 2022
Drachenmond Verlag
Taschenbuch
15,90€
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#werbung #rezensionsexemplar

Haben wir uns nicht alle eine Auszeit verdient? Alles, was Alice will, ist ein geruhsamer Urlaub auf einer vom Meer umrauschten Insel – als plötzlich die Jugendliche aus dem Nebenzimmer verschwindet. Alice forscht nach, doch niemand will das Mädchen kennen. Weder die Gäste noch das übereifrige Personal, ja, nicht einmal die Eltern des Kindes. Stimmt etwas nicht mit Alice’ Erinnerungen? Der Einzige, der Alice nicht für verrückt erklärt, ist der mürrische Kellner Aron, der Geheimnisse über das Hotel zu wahren scheint … Alice versucht, den Kellner auf ihre Seite zu ziehen. Doch will sie die Wahrheit über die Insel wirklich erfahren? Ist dieser Ort überhaupt das, was er zu sein scheint?

(c) by Drachenmond Verlag

Ich bin wirklich durch einen absoluten Zufall über dieses Buch gestolpert und da der Klappentext echt ansprechend klang, hab ich mich kurzerhand dazu entschieden, es zu hören. Mir war ohnehin nach etwas düsterem, undurchsichtigen und deshalb kam „Das Hotel“ wie gerufen. Ich wollte mitfiebern und miträtseln, mich vielleicht sogar ein bisschen gruseln. Das war das Ziel. Da es nicht allzu viele Seiten umfasst, war ich guter Dinge, dass ein kurzweiliger, spannender Zeitvertreib werden wird. Aber bevor wir jetzt gleich loslegen, eine kleine „Vorwarnung“. Die Rezension wird wohl verhältnismäßig kurz, weil bei diesem Buch eigentlich jedes Wort bereits zu viel ist. Die Gefahr, zu viel zu verraten, ist extrem hoch. Deshalb eben nur kurz. Viel Spaß bei meiner Meinung ♥

Der Einstieg in diese vermeindlich mysteriöse Geschichte fiel mir erstaunlich leicht. Der Autorin ist es gelungen, bereits schon auf den ersten Seiten eine gewisse Undurchsichtigkeit zu erzeugen, sodass man als Leser unweigerlich von Neugier gepackt wird und unbedingt erfahren möchte, was sich hinter allem verbirgt. Alles wird sehr geheimnisvoll und unerklärlich, und ich hatte wirklich Spaß dabei, mich immer tiefer hinein in den Strudel aus Merkwürdigkeiten ziehen zu lassen. Die Vorfreude auf alles, was noch kommen sollte, war beinah grenzenlos. Die Atmosphäre, die irgendwo zwischen heimelig und gruselig lag, tat ihr Übriges, um mich zu fesseln. Da war’s dann auch egal, dass ich zur Hauptfigur noch keinen richtigen Draht gefunden hatte.
Doch kaum war das erste Viertel vorrüber, merkte man bereits einen leichten Abwärtstrend. Irgendwie kam die Geschichte nicht vom Fleck – drehte sich im Kreis und wollte einfach nicht voranschreiten. Gut, ich war der festen Überzeugung, dies wäre nur ein Stilmittel um die Spannung künstlich nach oben zu treiben bzw. in die Länge zu ziehen. Also weiter im Text. Allerdings war dann spätestens ab der Hälfte die Luft komplett raus. Die Dialoge wiederholten sich; es geschah immer das selbe und auch sonst flaute die Spannung und damit mein Interesse daran zu erfahren, wie es weitergehen würde, immer weiter ab. Das Ganze nahm sehr seltsame Züge an, wurde zunehmend wirrer und die gesamte Ausarbeitung der Idee, die doch so vielversprechend klang, empfand ich als ziemlich misslungen. Es war kaum noch möglich einem roten Faden zu folgen; denn den gab es schlicht und ergreifend nicht. Wir springen von einem Fakt zum nächsten, werden hin und her geworfen und irgendwann verlor ich komplett den Überblick und verstand gar nichts mehr.
Mitten drin sollte es dann noch eine Liebesgeschichte geben, die allerdings auch nicht so bei mir ankam, wie sie sollte. Ich fand sie schlicht unglaubwürdig und nahm den Figuren ihre Emotionen nicht im Geringsten ab. Mal hier lang, mal dort lang – und plötzlich große Liebe. Ein Punkt, der nur noch mehr Verwirrung stiftete und mich beinah dazu brachte, das Ganze abzubrechen. Wieso sollte ich auch am Ball bleiben wollen, wenn ich ohnehin nicht mehr verstand, was da geschah. Für mich war’s zu oberflächlich und zu zweidimensional dargestellt, keine richtige Greifbarkeit der Kulisse oder der einzelnen Geschehnisse und wichtige Erklärungen fehlten meiner Meinung nach komplett.
Gen Ende wurde es zwar rasanter und wieder etwas eindeutiger im Ablauf, aber die Auflösung war derart konfus, dass ich wirklich meine Probleme damit hatte. Die ganze Zeit schwebte da ein einziges, riesengroßes „Hä?“ über meinem Kopf und ich war derart planlos, dass ich die letzten Seiten gleich 3x lesen musste, um auch nur annähernd verstehen zu können, was die Autorin da von mir wollte. Aber.. auch nach dem dritten Mal blieben da zig Fragen offen. Und die wohl wichtigste: was soll denn das? Hier passte meiner Meinung kein Stein zum anderen. Alles wirkte wahllos zusammengewürfelt und chaotisch, dass daraus niemals hätte eine ausgeklügelte Geschichte werden können. Dabei war der Grundgedanke ja gut: die Auflösung hatte Potential. Aber die Darstellung und die Ausarbeitung schwächelten meiner Meinung nach in einem Maße, wie ich es selten zuvor erlebt hab.

Die Charaktere waren auch absolut nicht das Gelbe vom Ei. In erster Linie dreht sich hier alles um Alice. Und Alice will in einem Hotel Urlaub machen. Okay. Das ist im Grunde die einzige Info, die man zu der Protagonistin bekommt. Ich konnte lange überhaupt nicht einschätzen, ob ich es hier mit einer Jugendlichen, mit einer Mittzwanzigerin oder mit einer Rentnerin zu tun hatte. Ich wusste nicht, was Alice mag, und was sie nicht mag, weil mal eine Info in die eine Richtung wies, und die nächste wieder in eine ganz andere. Irgendwann ging’s mal um Kinder, und eigentlich mag Alice Kinder, aber dann sind sie wieder schrecklich laut und nerven. Alice weiß nichts über ihren Job, über ihre Vergangenheit, über sich selbst. Wie also soll man da eine brauchbare Verbindung zu ihr herstellen? Das, was ich mir mühsam zusammenreimte, reichte da einfach nicht aus. Für einen Thriller brauche ich eine Hauptfigur, mit der ich wenigstens mitfiebern kann. Wenn mir dann so offensichtlich egal ist, ob die Gute überlebt oder nicht, dann ist eigentlich schon die ganze Story zum Scheitern verurteilt. Ich fand sie auch in ihrem Auftreten nicht unbedingt sympathisch, einfach weil sie in gewissem Maße an eine Pappfigur erinnerte, ohne Tiefgang, ohne Ecken und Kanten, ohne Leben. Als dann die Auflösung kam, war ich doch nicht gerade wenig überrascht darüber, wohin sich Alice entwickelt hatte. Da wurden zwar einige Fragen zu ihrer Person dann beantwortet, aber das kam viel zu spät und viel zu nebensächlich, als dass ich das hätte auf lange Sicht auf sie projizieren können.
Andere Figuren gibt es durchaus. Einige sogar. Aber auch hier fehlte mir wieder der Zugang. Der Arzt.. joa, ganz nett. Die Zimmernachbarn.. irgendwie seltsam. Der Kellner.. keine Ahnung was ihm seine Ziele waren und worauf er aus war. Der Chef des Hotels.. sehr klischeehaft. Die nette Dame, die am Pool aufgegriffen wird.. auch ganz nett. Wisst ihr, worauf ich hinaus will? Sie alle waren nur so schemenhaft und oberflächlich. Es war keiner dabei, bei dem ich dachte: ja wohl! Den mag ich! Einerseits sorgte das natürlich für eine gewisse Form der Undurchsichtigkeit; weil man keinem so recht über den Weg traute. Aber andererseits ließ das auch den Eindruck entstehen, als wären die Charaktere alle recht nebensächlich behandelt worden. Tiefgang und Details? Fehlanzeige. Sowohl bei den Randfiguren, als auch bei der Protagonistin.

Den Schreibstil von Katharina V. Haderer war okay. Zumindest hat er sich sehr schnell hören lassen und war im Gesamten doch verständlich. Nicht in Bezug auf Erklärungen oder die allgemeine Handhabung der Geschichte – aber so vom Lesefluss her gab’s keine Probleme. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass sie sich mehr Zeit nimmt und uns diese Geschichte genauer erklärt. Da hätte viel gerettet werden können; und gerade weil es doch „nur“ 285 Seiten waren, hätte die ein oder andere zusätzliche Seite nicht geschadet. Auf die Sache mit der Bildhaftigkeit, Lebendigkeit und Authenzität brauchen wir nicht näher drauf eingehen; da hätte es noch ordentlich Luft nach oben gegeben. Und auch die anfangs so einnehmende Atmosphäre ging mit der Zeit restlos verloren, sodass ich wirklich immer das Gefühl hatte, ich sitze auf meiner Couch und lese ein Buch, das eine verworrene, absurde Geschichte erzählt. Ich war nicht drin. Nicht Teil des Ganzen. Und so rückblickend fällt mir dazu nur ein: zum Glück! Dieses Schleudertrauma hätte ich wohl nicht so leicht wegstecken können, so chaotisch, wie diese Reise ausfiel.

„Das Hotel“ von Katharina V. Haderer war leider absolut nicht das, was ich mir erhofft hatte. Anfänglich vielleicht noch ganz passabel, doch insgesamt eher eine große Enttäuschung. Eine chaotische Handlung, völlig platte Figuren, zu denen man keinen Zugang findet und ein fehlender roter Faden.. da war sogar die Verwirrung verwirrt. Ich fand es so schade, weil prinzipiell hätte man viel aus den Grundbaustein herausholen können. Aber diese Richtung, in die alles läuft, war nicht abzusehen; und leider auch alles andere als überzeugend. Wäre aber die Ausarbeitung dieser Richtung eine andere gewesen, hätte auch das durchaus Potential gehabt. Aber so war’s einfach eine sehr verwirrend und kaum nachzuvollziehen. Schade. Richtig richtig schade.

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Katharina V. Haderer, ein ausgezeichneter 88er-Jahrgang, lebt mit ihrer Katze Lady Agathe von Schnuppe in der Stadt der heilenden Quellen – Bad Vöslau/Österreich. Sie schreibt seit frühester Jugend fantastische Romane, Familie, Freunde und Bekannte wurden zu mehr oder weniger freiwilligen ExperimentalleserInnen. Des Weiteren ist Katharina auch malerisch und fotografisch kreativ aktiv und arbeitet seit Jahren als Pfadfinderleiterin der Wichtel und Wölflinge der Gruppe Baden, ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens.

(c) by Drachenmond Verlag

An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass diese Rezension meiner ganz persönlichen Meinung entspricht und bei jedem Leser anders ausfallen kann. Außerdem möchte ich mich gerne beim Drachenmond Verlag bedanken: für alle Bilder und Klappentexte sowie Zitate benutzen zu dürfen.